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Die Hafenstraße klingt nicht nur, als gehöre sie hier her, sie hat für unsere Hansestadt auch eine wichtige Bedeutung. Sie ist mehr als eine Verbindung zwischen den Landungsbrücken mit dem Fischmarkt und mehr als eine kleine Vergnügungsmeile.

Kommt mit uns auf die Reise in die Vergangenheit der Hafenstraße. Erfahrt, auf welchen Steinen ihr geht, wenn ihr sie passiert und was euch dort erwartet.

Von der Hausbesetzung zur Kultstraße

Wir schreiben Ende 1981. Zu dieser Zeit standen in der Hafenstraße marode, abrisswürdige Häuser der SAGA. Für sie waren hochhausige Neubauten geplant.

Den Leerstand machten sich Studenten und Autonome zunutze, besetzten die Häuser und wehrten sich massiv gegen den Abriss. Damit setzten sie einen Trend fort, der Monate zuvor in Altona und Eppendorf begann. Gleichzeitig wurde die Hafenstraße zu einem Schandfleck, denn der Eindruck wuchs, dass dort unsere Gesetze nicht galten. Die Hafenstraße landete infolge als „Chaos-Sightseeing“ im Touri-Programm.

Die Lage entspannte sich, als die Hausbesetzer 3-Jahres-Mietverträge bekamen, und spannte sich kurz vor Ende dieser erneut an. Mittlerweile demonstrierten rund 12.000 Menschen gegen den Abriss. Als es zur polizeilichen Räumung kam, standen tausende Polizisten vor Barrikaden, angespannten Besetzern und tausenden Neugierigen und Gegnern. Auf allen Seiten herrsche eine so hohe Spannung, dass die Luft quasi brannte.

Glücklicherweise griff unser Ex-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ein. Er setzte einen neuen Pachtvertrag durch und bürgte mit seinem Amt, wenn die Bürger ihre Barrikaden sofort dafür abbauten. Er stieß auf Dankbarkeit und erhielt für seinen Einsatz die Theodor-Heuss-Medaille. Das Glück hielt nur rund ein halbes Jahr – bis zu von Dohnanyis Rücktritt. Ärgernisse mit den Bewohnern und der neue Bürgermeister Henning Voscherau hatten zur Folge, dass der Pachtvertrag 1993 erneut gekündigt wurde. Er bot wenig später einen Deal an, der auf Gegenliebe stieß: Weiteres wohnen gegen die Bebauung von angrenzenden Freiflächen mit Sozialwohnungen. 1995 folgte der Verkauf seitens der Stadt an die Genossenschaft „Alternativen am Elbufer“, welche die Anwohner für diesen Zweck gegründet hatten.

Eine eigene kleine Welt

Die Hafenstraße hat sich gemausert. Heute ist sie ein Ort, der Szene-Kneipen beherbergt und durch bunte Wohnfassaden begeistert. Noch bis heute behalten die Anwohner die bewegende Geschichte in Erinnerung. Ihr Engagement – möge man von der Umsetzung halten, was man mag – ist ein wichtiges Zeichen.

Wer an die Hafenstraße denkt, muss Folgendes im Hinterkopf behalten: Die Nähe zur Reeperbahn bringt ihren eigenen „Charme“ und dessen Problematiken mit sich.

Zum Beispiel herrscht dort noch immer ein eigenes Zusammenspiel zwischen Bürgern und Polizei. Den Anwohnern ist es wichtig, so autonom wie möglich zu bleiben, was zu massig Kritik führt. Einschüchtern lassen solltet ihr euch davon nicht. Es gibt keinen Grund, die Hafenstraße und ihre tollen Locations zu meiden. Macht euch ein eigenes Bild, ansonsten verpasst ihr etwas!

Eindrücke aus der Hafenstraße

Das bietet euch die Hafenstraße

  • Restaurants und Imbisse mit Blick auf den Hafen und die Elbphilharmonie
  • Park Fiction
  • in direkter Nähe: Reeperbahn, Strandbar StrandPauli, Alter Elbtunnel, Hard Rock Café Hamburg, Fischmarkt, Landungsbrücken
  • Hafenrundfahrten

Relaxen und Action im einzigartigen Park Fiction

Der Blick auf den Hafen begeistert, doch die Anwohner wünschten sich etwas Grünes in der Nähe. So entstand der einzigartige Park Fiction, dessen offizieller Name Antonipark lautet und 2005 seine Tore öffnete. Den Namen „Park Fiction“ bekam er wegen der dort entstandenen Kunstprojekte.

Die Besonderheit des Parks Fiction ist der Blick auf die Elbe und seine verschiedenen Bereiche. Möchtet ihr ein Panorama genießen, solltet ihr euch zur Aussichtsterrasse auf dem Turnhallendach begeben. Dort erwartet euch die „Teeinsel“, auf der euch Palmen und ein „Fliegender Teppich“ zum Entspannen einladen. Für die Aktiven gibt es ein Spielfeld sowie eine Spiel- und Liegewiese und eine Hundewiese.

Wissenswertes

  • Da findet ihr den Fictionpark: Am Ende der Hafenstrasse / Hafentreppe / Antonistraße
  • Anreise: Bahn: S1 / S3 bis „Reeperbahn“ oder Bus 112 bis „Hafentreppe“

Hafenstraße in Kürze

  • Ihre Länge beträgt rund 1 km
  • Die Hafenstraße gehört zum Stadtteil St. Pauli (Bezirk Hamburg-Mitte)
  • Die Hafenstraße könnt ihr am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Bahnhaltestelle: Landungsbrücken (U3, S2, S21, S3 und S31) oder mit dem Bus bis „St.Pauli Hafenstraße“ (112)
  • Kostenpflichtige Parkplätze gibt es in der Umgebung (der nächste: „Bei den St. Pauli Landungsbrücken“ für 2 Std. zu 4,50 €)